Friday, February 21, 2014

Saarbrücken, Brücke der Liebe

Saarbrücken: die Brücke der Liebe Ingrid war in der Landeshauptstadt des Saarlandes aufgewachsen. Sie kannte ihre Stadt auswendig: den Sankt Johanner Markt, den Ludwigsplatz, die Bäckerei Heil, die Metzer Straße, all die verschiedenen Geschäfte...Jeder Ort erweckte neue Erinnerungen. Warum sie damals ausgewandert war, wußte sie selbst nicht. Ach ja, vielleicht wurde damals sie von ihrer Lust nach Abenteuer getrieben...sie wollte es mal in der Großstadt versuchen, da konnte sie vielleicht ihren verrückten Traum verwirklichen, Schauspielerin zu werden.

 Mit 18 hatte sie so einfach ihre Sachen gepackt und die Stadt verlassen, ohne sich umzudrehen. Sie wendete sich zur Neuigkeit und war davon überzeugt, daß es ihr gelingen würde, es in der Entertainment Branche zu schaffen. Natürlich gab es großen Ärger zu Hause, und ihre Eltern weigerten es mit ihr zu sprechen. „ Wenn du jetzt unser Haus verläßt, dann ist es für immer!“, hatte die Mutter ganz zornig erwidert. „ Nichts wird mich davon abhalten, zu gehen!“ hatte Ingrid geschriehen als die die Tür knallte. 20 Jahre waren vergangen. Ingrids Träume sind nicht wahrgeworden.

Vielleicht war es Pech, vielleicht hatte es Gott nicht gewollt, vielleicht war sie nicht hartnäckig genug gewesen, wer weiß, mit all diesen „ vielleicht“ gab es ja keine sichere Antwort... Also ob sie es Schicksal oder Unglück oder irgendwie anders bezeichnete, ihre ganzen Pläne waren einfach schief gegangen. Ingrid hatte 5 Jahre in Frankfurt am Main gekellnert, dann wurde sie entlassen. Danach hatte sie ihr Glück in München versucht, aber außer Verkäuferin oder Kellnerin fand sie keine anderen Jobs. Obwohl sie am Anfang versuchte, Kontakte mit Künstlern zu verknüpfen , schien diese Welt ihr einfach geschlossen zu sein. Sie war zwar zu einigen Castings gegangen, aber man fang sie entweder zu jung, zu unexperimentiert, oder zu gewöhnlich. Sie gab es auf und führte ein sehr gewöhnliches Leben, mit dem sie sich so unzufrieden fühlte. Einige Männer sind auch wohl in ihr Leben eingetreten, aber die große Liebe war einfach von ihrem Leben abwesend. Und sie hatte sich auch schon wieder von Herbert, ihrem letzen Freund getrennt. Eines Tages bekam sie Lust, nach Saarbrücken zurückzukehren. Sie buchte ein Zimmer beim Drei Kronen Hotel in der Ursulinenstraße. Ihr Einzelzimmer war einfach, aber gut, und das Frühstück war im Preis inbegriffen. Es war ein ganz komisches Gefühl, nach so vielen Jahren in die Stadt ihrer Kindheit zurückzukehren. Die Stadt hatte sich viel verändert, und trotzdem fühlte sie sich zu Hause. Ihre Eltern waren vor drei Jahren in einem Autounfall gestorben, aber sie war nicht auf der Beerdigung gewesen. Von ihren Eltern wollte sie sowieso nichts mehr wissen. Sie wollte nun die Vergangenheit vergessen... Sie wollte wieder alles von neu anfangen, aber fand keine klare Antwort. Da ging sie spazieren. Einfach so, am linken Saarufer. Sie blickte tief ins Wasser hinein. Die Saar war schön anzugucken und das Ansehen des Wassers beruhigte sie einfach. Sie wollte sich noch eine kleine Zigarette anzünden. Als sie nach ihrem Feuerzeug griff, fiel ihr Handy auf den Boden. Der Bildschirm zerbrach in tausend Fetzen. „ Scheiße...das hatte mir noch gerade gefehlt“ schrie sie laut.

Sie wollte gerade zum Hotel zurückkehren, aber sie bemerkte, daß jemand auf ihre Schulter klopfte. „ He Fräulein, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Sie drehte sich um und dann erblickte sie ihn. Er war ein großer, junger, schlanker Mann, mit sehr viel Charme. Er lächelte sie an. „ Übrigens, mein Name ist Jens...“ „ Nett Sie kennenzulernen, Jens...heute ist nicht wirklich mein Tag...es scheint als ginge einfach alles schief bei mir...mein Name ist Ingrid...“ „ Nicht alles ist schief gegangen...Sie haben mich kennen gelernt, oder?“ Ingrid lächelte zurück. „ Ja, das schon, das muß ich zugeben...“ „ Wohnen Sie hier in Saarbrücken?“ „ Nee eigentlich nicht, aber ich bin ne Gebürtige Saarbrückerin...ich möchte wieder zurück. Zur Zeit bin ich im Hotel. Ich werde mich ab morgen auf der Suche nach einer Arbeit machen....ja , und Sie Jens, sind Sie von hier?“ „ Aber natürlich. Ich bin in Saarbrücken geboren und lebe immer noch hier...“ „ Ingrid, ich kenne Sie zwar nicht sehr, aber ich schlage vor, heute vergessen wir mal Ihre Probleme. Kommen Sie, ich lade Sie zum Essen ein. Und heute Abend geht s ab in die Disco...Wie wär s mit solch einem Programm?“

„ Na, das klingt verrückt...also, warum nicht?“ Ingrid folgte dem charmanten Jens. Beide bestellten einen Gulasch. Ingrid fühlte sich nun ein bißchen besser. Jens war so verschieden von all den Jungen, die sie vorher gekannt hatte. Er war nett, gepflegt und sehr höflich. Er hatte auch einen wundervollen Sinn für Humor und erzählte Witze auf Platt. Das ist einfach süß, dachte sie. Als sie den Nachtisch bestellte, funkte etwas zwischen beiden Menschen. Jens streichelte zärtlich ihre Hand. Sie erwiderte ihm ihre Zuneigung indem sie ihn ein bißchen schüchtern auf die Wange küsste. Sie wollte etwas sagen, aber Jens schloß ihr Mund mit seinem Finger. Er schaute ihr tief in den Augen und flüsterte ihr ins Ohr: „ Du, Ingrid, ich glaube, ich habe mich tief in dich verliebt...“ Ingrid lächelte und küsste Jens-diesmal auf die Lippen. Sie war zurück in ihrer Heimatstadt, verliebt und glücklich. Ein neuer Kapitel konnte nun beginnen.

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